von Franziska Trebut

Haus

(c) Franziska Trebut

Manchmal frage ich mich, ob das Förderwesen in Österreich nicht etwas überbordend ist. Förderungen werden als Lenkungsinstrument in den unterschiedlichsten Handlungsfeldern eingesetzt, oftmals alternativ zu ordnungspolitischen Maßnahmen, zu denen sich die Politik nicht durchringen kann oder will. So geschieht dies auch im Bau-und Sanierungswesen, und häufig fördern verschiedenste Fördergeber – Bund, Länder, Gemeinden – unabhängig voneinander und unabgestimmt dieselbe Maßnahme.

Wie sinnvoll sind solche Doppelförderungen? Sind sie notwendig, um eine Maßnahme auszulösen, weil eine Förderschiene allein bei der Mehrheit der potenziellen Fördernehmer keinen ausreichenden Anreiz setzt? Oder werden mit Doppelförderungen die baulichen Maßnahmen umfassender bzw. in höherer Qualität ausgeführt? Oder aber, so die Kritik von Förderskeptikern, kann es im für den Fördergeber schlechtesten Fall nicht auch sein, dass Fördernehmer aus verschiedensten Töpfen Gelder für Aktivitäten entgegen nehmen, die sie ohnehin auch ungefördert setzen würden?

Die vorhandene Datenlage ist leider wenig umfassend, quasi das Gegenteil von überbordend, und lässt keine abgesicherten Antworten auf diese Fragen zu.

Umso erfreulicher war am Rande der diesjährigen Passivhaustagung in Wien das Gespräch mit einer Sanierungsexpertin eines großen gemeinnützigen Wohnbauträgers. Sie berichtete, dass der Bauträger bei Doppelförderungen sehr wohl die höheren Mittel in bessere Konditionen für die Mieterinnen  und Mieter der zu sanierenden Gebäude ummünzen würde. Trotz aufwändiger Administration sei es ihnen beispielsweise bei vielen Geschoßwohnbauten gelungen, den Sanierungsscheck des Bundes zusätzlich zur Landesförderung zu erhalten, womit sich entweder der Sanierungsbeitrag der Mieterinnen und Mieter nochmals deutlich reduzieren ließe oder umfassendere Maßnahmen umgesetzt würden als ohne die Doppelförderung. Besonders bei enerphit-Sanierung (auf Passivhausstandard) wären solche Doppelförderungen maßgeblich, um die zusätzlichen Aufwendungen abzupuffern.

Es zeigt sich also, dass in diesem Falle das „Mehr“ an Fördergeldern bei Mieterinnen und Mietern ankommt und Sanierungen ermöglicht, die langfristig hohen Wohnkomfort, niedrige Heizkosten und moderaten Quadratmeterverbrauch pro Person begünstigen und zur Dekarbonisierung des Gebäudebestandes beitragen.