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Energiegemeinschaften sind kein neues Konzept mehr. Allein in Österreich gibt es tausende Gemeinschaften, die Menschen die Möglichkeit geben, Strom und Wärme lokal und nachhaltig zu erzeugen. Dadurch wird ein wichtiger Beitrag zu Klimaneutralität und Energiedemokratie geleistet. Allerdings profitieren nicht alle gleich: Besonders Frauen und junge Menschen sowie einkommensschwache und marginalisierte Haushalte sind in vielen Energiegemeinschaften noch unterrepräsentiert. Warum ist das so?

Von Beatrix Hausner und Samira Karner

Dieser Beitrag ist in leicht abgeänderter Form in der Ausgabe 02/2026 der Österreichischen Gemeindezeitung erschienen

Barrieren erkennen

Oft liegen die Barrieren nicht (nur) am Technikverständnis, sondern an Zugangsbarrieren, Informationsdefiziten und fehlender gezielter Ansprache. Ein Zugang zu digitalen (Energiehandels-)Plattformen und die Teilnahme an Energiegemeinschaften erfordert organisatorisches und technisches Wissen, Vertrauen und Zeit. Ohne gezielte Maßnahmen werden unterrepräsentierte Gruppen weiterhin nicht berücksichtigt und so eine Beteiligung an der Energiewende verwehrt. In weiterer Folge schwächt dies die Akzeptanz, den Wirkungsgrad und Innovationsgrad von Energiegemeinschaften.

Inklusive und diversitätsfördernde Indikatoren und Handlungsempfehlungen

Genau hier setzt das Forschungsprojekt IDEAL an, das vom BMIMI gefördert und in der FFG-Förderabwicklung begleitet wird. Ziel ist es, digitale (Energiehandels-)Plattformen zugänglich zu gestalten und sie an die Bedürfnisse diverserer Zielgruppen anzupassen.

Dazu werden von der ÖGUT gemeinsam mit dem FH Technikum Wien, das auch die Projektleitung inne hat, bestehende Plattformen analysiert, Nutzer:innenstatistiken ausgewertet und Expert:innen sowie Vertreter:innen unterrepräsentierter Gruppen miteinbezogen. Aus den Ergebnissen werden Handlungsfelder formuliert und experimentelle Interventionen erarbeitet, die Barrieren abbauen und die Teilnahme bisher ausgeschlossener Gruppen erleichtern.

Die Energiegenossenschaft „OurPower“ setzt die entwickelten Empfehlungen praktisch um, indem experimentelle Interventionen auf der eigenen Plattform getestet werden. Gemeinsam entstehen so messbare Indikatoren, Handlungsempfehlungen und praxisnahe Interventionen, die Barrieren abbauen und die Beteiligung bisher ausgeschlossener Gruppen erleichtern.

Ergebnisse sind direkt nutzbar!

Plattformbetreiber:innen können die Projektergebnisse direkt nutzen, um ihre Angebote zugänglicher und inklusiver zu gestalten und neue Mitglieder zu gewinnen. Die Empfehlungen werden in realen Anwendungsszenarien erprobt, sodass sich zeigt, welche Maßnahmen tatsächlich wirken. Die enge Zusammenarbeit von Forschung und Praxis liefert konkrete Impulse für die Weiterentwicklung von EGs und digitalen (Energiehandels-)Plattformen, die sofort nutzbar sind und langfristig den sozialen Mehrwert steigern. Denn neben dem primären Ziel, CO₂-Emissionen durch lokalen und erneuerbaren Energieverbrauch zu reduzieren, sollen nicht-gewinnorientierte EGs auch einen sozialen und gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.

Fokus: Frauen und Gendergerechtigkeit

Ein besonderer Fokus liegt auf Frauen und Gendergerechtigkeit. In der Erneuerbaren-Energieforschung sind Frauen sowohl als Nutzer:innen von Plattformen als auch in Entscheidungsprozessen stark unterrepräsentiert. IDEAL untersucht die Ursachen dafür und entwickelt Maßnahmen, um Frauen aktiv einzubinden. Gleichzeitig werden weitere Diversitätsdimensionen berücksichtigt, etwa Alter, sozioökonomischer Hintergrund oder Migrationsgeschichte.


Sie haben Fragen zum Projekt und den Ergebnissen? Schreiben Sie an beatrix.hausner@oegut.at

Hier finden Sie weiterführende Details zum Projekt IDEAL