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DORFPLATZ St. Andrä-Wördern – Grundriss des Zentrums für kooperatives Wirtschaften und Begegnung, entstanden durch Bürger:innen-Initiative
Plan vom DORFPLATZ St. Andrä-Wördern, © Alexander Mayer, hallovia.at

Bei Bürger:innenbeteiligung denken viele zunächst an die Kosten und übersehen dabei die vielen Vorteile. Durch das Engagement von Bürger:innen können kommunale Leistungen aufrechterhalten und Gemeinden finanziell entlastet werden. Gut gestaltete Beteiligung ist keine Bürde – sie ist eine wertvolle Ressource für Gemeinden.

Von Barbara Ruhsmann, ÖGUT-Expertin für Partizipation

Zusammenhalt durch Engagement

Beispiele für den Mehrwert von Bürger:innen-Beteiligung gibt es überall: ehrenamtliche Organisationen wie die Freiwillige Feuerwehr oder die First Responder vom Roten Kreuz, das genossenschaftliche Betreiben eines Nahversorgers oder das ehrenamtliche Verwalten eines Freibads. Aber auch die vielen Initiativen zur Belebung von Ortskernen und zur Sanierung von Leerstand stehen für den Wert zivilgesellschaftlicher Einsatzbereitschaft.

In Wirklichkeit geht ohne die Beteiligung von Bürger:innen gar nichts. Es ist ihr Engagement, das ein Gemeinwesen zusammenhält, Fehlentwicklungen aufzeigt, Alternativen verlangt und erarbeitet und zur Weiterentwicklung beiträgt.

Zuletzt wies das KDZ Zentrum für Verwaltungsforschung in seiner Studie „Erfolgreich Spielraum für Städte schaffen und erhalten“ auf die (Einsparungs-)Potenziale hin, die sich für Gemeinden durch die Zusammenarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern und durch Partizipation ergeben:

„Kreative Maßnahmen – wie Bürgerbeteiligungsmodelle, Crowdinvesting, öffentlich-private Partnerschaften oder der Betrieb kommunaler Einrichtungen durch Vereine – bieten keine flächendeckende Lösung für strukturelle Haushaltsprobleme. Aber: Sie sind wichtige Ergänzungen und können sowohl Vorteile betreffend Effizienz als auch betreffend der Weiterentwicklung der kommunalen Leistungen bieten“, so die Studien-Autor:innen.

Welche konkreten Beispiele zeigen, dass Beteiligung Gemeinden stärkt?

Auf partizipation.at, DER Informations- und Praxisplattform für Bürger:innenbeteiligung im deutschsprachigen Raum, die von der ÖGUT im Auftrag des BMLUK betrieben wird, sammeln wir regelmäßig Beispiele von Initiativen und Beteiligungsprozessen, die Kommunen lebenswerter und stärker machen.

Praxisbeispiel: DORFPLATZ St. Andrä-Wördern

Vor kurzem publizierten wir die Geschichte vom „DORFPLATZ“ St. Andrä-Wördern. Dort fand sich vor 15 Jahren eine kleine Gruppe von Bürger:innen zusammen, die unzufrieden war mit dem fehlenden Angebot an Kultur und Begegnungsräumen in der zersiedelten Gemeinde. Nachdem ein passender Leerstand in Form eines sanierungsbedürftigen Gestüts gefunden worden war, organisierte sich die engagierte Gruppe im Verein DORFPLATZ, um ein Zentrum für Kooperatives Wirtschaften und einen lebendigen Treffpunkt für alle Generationen zu erschaffen. Mit Ausdauer und Begeisterung wurde über Jahre am Nutzungskonzept und an Finanzierungsmöglichkeiten gearbeitet. Heute versammelt der DORFPLATZ Werkstätten, eine Bühne, Kunstarkaden, eine Hofküche sowie Büro-Gemeinschaftsflächen und ist zu einem vielfältigen Ort der Möglichkeiten und des Miteinanders geworden.

Was können Gemeinden daraus mitnehmen?

Gemeinden und Städte tun gut daran, das Engagement von Bürger:innen zu sehen, zu unterstützen und aktiv dazu einzuladen. Gemeinden, die Beteiligung strukturiert einsetzen, gewinnen auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Sie sparen Ressourcen, gewinnen Vertrauen und schaffen Lösungen, die von der Gemeinschaft getragen werden. Der langfristige Nutzen überwiegt die kurzfristigen Kosten bei weitem. Die ÖGUT berät und begleitet Kommunen dabei – von der ersten Prozessplanung bis zur Auswertung.

Dieser Beitrag ist in leicht abgeänderter Form in der Ausgabe 03/2026 der Österreichischen Gemeindezeitung erschienen