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Wertvolle Einblicke in die Praxis von berichtspflichtigen Unternehmen: Anlässlich ihres Beitrags „Mammutaufgabe EU-Taxonomie“ (BUSINESSART, 01/2024) führten die beiden ÖGUT-Expertinnen für Sustainable Finance, Katharina Muner-Sammer und Susanne Hasenhüttl, Interviews mit CSR, Nachhaltigkeits- und Umweltmanagerinnen, die wir ergänzend veröffentlichen.

Sabine Schellander, Co-Head of Sustainability, Greiner AG, sieht die Taxonomie als Wegweiser, wie ein nachhaltiger Wandel vorangetrieben werden kann. „Schlussendlich wird es ein klares Zeichen des Finanzmarktes brauchen, damit wirklich etwas in Bewegung kommt. Darüber hinaus braucht es einfachere Zugänge zu Finanzierungen bzw. bessere Finanzierungsbedingungen. Im Moment ist der Mehraufwand für uns Unternehmen jedenfalls sehr groß“, so Schellander.

ÖGUT: Inwiefern ist die Greiner Gruppe von der Umsetzung der EU-Taxonomie betroffen?
Sabine Schellander: Die Greiner Gruppe fällt mit dem Geschäftsjahr 2025 in den Anwendungsbereich der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) und dementsprechend muss die EU-Taxonomie mit 2025 umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang sind wir gerade dabei, uns mit der Taxonomie anzufreunden und die ersten Schritte zur Implementierung zu tätigen. 

Welche Umweltziele der EU-Taxonomie sind für Sie relevant (Klimaschutz, Anpassung, Wasserressourcen, Kreislaufwirtschaft, Vermeidung von Verschmutzung, Schutz der Biodiversität)?
Als Kunststoff- und Schaumstoffverarbeiter steht für uns die Kreislaufwirtschaft (circularity) in vielerlei Hinsicht und in vielen Bereichen im Vordergrund, das betrifft auch die EU-Taxonomie. Das zweite relevante Umweltziel für uns ist die Eindämmung des Klimawandels (Climate mitigation). 

Wie gehen Sie es an, die EU-Taxonomie in ihr Unternehmen zu integrieren?
Die Taxonomie bringt aufgrund ihrer Komplexität einige Herausforderungen mit sich. Daher gehen wir die Implementierung Schritt für Schritt an. Es gilt, zuerst die Taxonomie, deren Inhalt und Ausrichtung zu verstehen. Dann die betroffenen Abteilungen und Expert:innen zu definieren, die es zur Umsetzung braucht und sukzessive die benötigte Kompetenz aufzubauen. Ziel ist es, die Integration der Taxonomie effektiv und möglichst friktionsfrei durchzuführen. Dass dies kein einfacher Weg ist und es zahlreiche Stolpersteine gibt, die wir aus dem Weg räumen müssen, ist uns bewusst, und das kennen wir auch von der Einführung ähnlicher Anforderungen sowohl im Finanz- als auch im nicht-finanziellen Bereich.

Arbeiten Sie dafür mit einem speziellen Tool/Werkzeug/Instrument?
Wir greifen bei der Implementierung der Taxonomie, soweit möglich, auf bestehende Systeme zurück. Uns ist es wichtig, darauf zu achten, keine Parallelwelten zu schaffen. 

In Bezug auf die Umsetzung der Taxonomie-Erfordernisse: Was würde Sie unterstützen? Was braucht es (noch)?
Wir brauchen Erfolgserlebnisse: Es braucht beispielsweise die Möglichkeit, die Daten, die man generiert, branchenintern vergleichen zu können. Vor allem aber braucht es eine klare Reaktion von Seiten des Finanzmarktes, etwa durch einfachere Zugänge zu Finanzierungen oder andere Benefits. Im Moment ist der Mehraufwand für uns Unternehmen jedenfalls sehr groß und es ist noch unklar, wo die Reise hingeht.

Wie schätzen Sie den Nutzen der EU-Taxonomie ein, die Greiner AG (noch) nachhaltiger auszurichten?
Die Ausrichtung und Intention der Taxonomie ist aus Nachhaltigkeitssicht sehr begrüßenswert. Ob es allerdings durch die Taxonomie zu einer nachhaltigeren Ausrichtung der Unternehmen kommt, bleibt abzuwarten. Das hängt auch weiterhin von der Überzeugung und dem Willen der Beteiligten ab. Was die Taxonomie aber bietet, sind verschiedene Wegweiser, wie ein nachhaltiger Wandel vorangetrieben werden kann. Schlussendlich wird es aber die Erfolgserlebnisse und damit ein klares Zeichen des Finanzmarktes brauchen, damit hier wirklich etwas in Bewegung kommt.

Welchen Tipp haben Sie für Unternehmen bei der Berücksichtigung der EU-Taxonomie?
Fangen Sie jetzt an! Zerlegen Sie den „Elefanten im Raum“ in Häppchen und konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche. Es ist doch deutlich komplizierter als man vielleicht denkt, und eine schrittweise Umsetzung zahlt sich aus. Und tauschen Sie sich mit anderen Unternehmen aus. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden.

Das Gespräch mit Sabine Schellander führten die beiden ÖGUT-Expertinnen für Sustainable Finance, Katharina Muner-Sammer und Susanne Hasenhüttl.

Hier können Sie den gesamten Beitrag in BUSINESSART 01/2024 lesen: „Mammutaufgabe EU-Taxonomie, Gespräche aus der Praxis“