Info-Veranstaltung, Lokale Wärme gemeinsam in Hernals, © Bianca Pfefferer, ÖGUT

Österreichweit gibt es bereits rund 3.800 Erneuerbare Energiegemeinschaften (EEGs) mit nach wie vor steigender Tendenz. Im großstädtischen Raum sieht die Sache anders aus, was kein Wunder ist. Denn Einfamilienhaus-Besitzer:innen verfügen eindeutig über leichtere Entscheidungsstrukturen als Menschen, die z. B. in einem Mehrparteienhaus in Wien im Wohnungseigentum leben. Das ÖGUT-Forschungsprojekt „Lokale Wärme gemeinsam“ setzt hier an: Ziel ist es, einen praxistauglichen, übertragbaren 10-Schritte-Plan zu erstellen, der Haus- und Wohnungseigentümer:innen auf dem Weg von der Idee über die Erarbeitung von Organisationsmodellen bis zur Angebotseinholung und Bieterauswahl unterstützt.

Von Barbara Ruhsmann.

Dieser Beitrag ist in leicht abgeänderter Form in der Ausgabe 01/2026 der Österreichischen Gemeindezeitung erschienen.

Auslaufmodell Gas – warum es wichtig ist, an Alternativen zu denken

Warum sollten sich Menschen im urbanen Raum überhaupt Gedanken über ihre Strom- und Wärmeversorgung machen? Die war doch immer „automatisch“ gegeben, warum sich plötzlich selber kümmern müssen?

Gas als Heizquelle hat ein Ablaufdatum. Die Fernwärme wird zwar ausgebaut, aber kann in einer Millionenmetropole wie Wien dennoch nicht alle Haushalte versorgen. Und warum braucht’s für eine alternative Lösung wie Wärmepumpen gleich eine Energie- bzw. Wärmegemeinschaft? Warum kann das nicht jedes Haus einfach für sich alleine machen? Weil sich ein mehrgeschossiges Haus oft nicht ausreichend mit einer Wärmepumpe versorgen kann und zumindest ein oder zwei weitere Gebäude dafür braucht.

Gemeinsam lokale Wärme in einem Anergienetz nutzen

In eine lokale Wärmegemeinschaft, fachlich auch als „Anergienetz“ bezeichnet, bringt jedes Gebäude seine Schätze ein – z. B. eine passende Räumlichkeit im Keller oder eine Dachfläche für die Wärmepumpe oder eine Grünfläche im Innenhof, die sich für Erdsonden eignet. So werden Synergien genutzt und Errichtungs- sowie Betriebskosten gesenkt. Klingt in der Theorie einfach, ist in der städtischen Praxis aber noch wenig eingeübt und vertraut.

10-Schritte-Plan für Haus- und Wohnungseigentümer:innen

Genau hier setzt ein aktuelles Forschungsprojekt der ÖGUT an, das aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und auch vom Österreichischen Städtebund unterstützt wird. Das Projekt „Lokale Wärme gemeinsam“ wird in Kooperation mit dem Stadterneuerungsprogramm WieNeu+ im 17. Wiener Gemeindebezirk umgesetzt. Ziel ist es, einen praxistauglichen, übertragbaren 10-Schritte-Plan zu erstellen, der Haus- und Wohnungseigentümer:innen auf dem Weg von der Idee über die Erarbeitung von Organisationsmodellen bis zur Angebotseinholung und Bieterauswahl unterstützt.

Soziale und rechtliche Herausforderungen

Die größten Herausforderungen dabei sind nicht technischer und auch nicht unbedingt finanzieller Natur. Wärmepumpen haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und sind zum Beispiel immer leiser geworden. Immer schmälere Bohrgeräte für Erdsonden finden mittlerweile ihren Weg auch durch enge Hoftore. Die Anschaffungskosten für PV-Speicher liegen gerade auf einem Rekordtief und allgemein gibt es trotz Sparkursen nach wie vor viele Förderungen der öffentlichen Hand für alle, die Sanierungen und Heizungstausche angehen. Die größten Herausforderungen auf dem Weg sind sozialer und rechtlicher Natur.

Neue Formen nachbarschaftlicher Kooperation

Lokale Wärmegemeinschaften muten Stadtbewohner:innen neue Formen von nachbarschaftlicher Kooperation zu, die erst gelernt werden wollen. Die Pionier:innen in diesem Bereich brauchen zusätzlich einen langen Atem, um rechtliche Fragen – vom Wohnungseigentumsgesetz über Servitutsbegründungen bis hin zu gemeinschaftlichen Organisationsmodellen – in den Griff zu bekommen. Daher verfolgen wir im Forschungsprojekt „Lokale Wärme gemeinsam“ einen systemischen Ansatz – damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für die breitere Ausrollung von Anergienetzen in Wien.

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Dieser Beitrag ist in leicht abgeänderter Form in der Ausgabe 01/2026 der Österreichischen Gemeindezeitung erschienen (Seite 60) erschienen.