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Europas Demokratien stehen zunehmend unter Druck. Die Europäische Kommission reagiert darauf mit verschiedenen Maßnahmen, darunter auch einem Bürger:innenforum. Im September 2026 erarbeiten rund 150 zufällig ausgewählte Bürger:innen aus allen 27 Mitgliedstaaten gemeinsam Empfehlungen zur Stärkung demokratischer Resilienz. Lesen Sie hier, was demokratische Resilienz bedeutet und was das Format des Bürger:innenforums so besonders macht.
Von Barbara Ruhsmann, ÖGUT-Expertin für Partizipation
Was bedeutet demokratische Resilienz?
Demokratische Resilienz oder Widerstandskraft meint die Fähigkeit demokratischer Systeme, Druck von außen und innen standzuhalten und sich dabei weiterzuentwickeln, anstatt zu erstarren. Dabei geht es um Herausforderungen wie digitale Umbrüche und KI, ausländische Einflussnahme, Desinformation, Polarisierung sowie Druck auf Medien und Zivilgesellschaft.
Europäisches Schutzschild für die Demokratie
Das neue EU-Bürger:innenforum im Herbst ist eng verbunden mit der jüngst verabschiedeten EU-Strategie namens „Europäisches Schutzschild für die Demokratie“, die vor allem in drei Bereichen wirksam werden soll: Beim Schutz der Integrität unserer Informationsräume, bei der Stärkung demokratischer Institutionen sowie der gesellschaftlichen Resilienz und des Engagements von Bürger:innen.
Empfehlungen der Bürger:innen werden der EU-Kommission übergeben
Was das alles im Detail bedeutet, darüber werden sich 150 Menschen aus ganz Europa an drei Wochenenden im September 2026 austauschen – natürlich mit Hilfe zahlreicher Übersetzer:innen und mit professioneller Moderation. Ihre Empfehlungen werden dann im November 2026 an die EU-Kommission übergeben, die sich ihrerseits verpflichtet, die Bürger:innen über die Auswirkung ihrer Arbeit auf neue Maßnahmen und Gesetzesvorhaben zu informieren.
Seit 2022 fanden bereits acht solcher Foren statt. Wichtig dabei ist, dass die Teilnehmenden repräsentativ für die Vielfalt der EU stehen – zum Beispiel in Bezug auf geografische Herkunft, Bildung oder auch Meinung über die EU. Zu einem Drittel sind immer junge Menschen dabei, zwischen 16 und 29 Jahre alt. Für die Auswahl werden Daten aus dem EU-Statistikamt und dem Eurobarometer verwendet.
Zuversicht Demokratie: Das Transformationsforum in Krems
Jedem EU-Bürgerforum geht eine Online-Debatte voraus und die Mitgliedsstaaten sind zudem aufgerufen, analoge Veranstaltungen zum jeweiligen Fokus-Thema abzuhalten. Die Sorge um die Demokratie liegt allerdings so „im Trend“, dass es auch unabhängig von der aktuellen europäischen Initiative viele Dialoge dazu gibt. Ein Beispiel dafür ist das Österreichische Transformationsforum, das im November 2026 an der Universität für Weiterbildung Krems einlädt, über „Zuversicht Demokratie. Weiterentwickeln, was uns trägt“ nachzudenken. Es findet als Delegiertenkonferenz von über 100 mitwirkenden Initiativen, sozialen Bewegungen und Organisationen (darunter auch die ÖGUT) statt.
Antworten auf die großen Fragen brauchen Zeit und Geduld
Die große Frage, die sich sowohl in Krems als auch in Brüssel den Teilnehmer:innen stellen wird, ist: Mit welchen Verantwortlichkeiten, welchen Rechten, welchen Pflichten geht demokratische Widerstandskraft einher? Und wie verwandeln wir Demokratie von einem Konsumgut wieder in einen Raum, in dem Menschen informiert streiten und gemeinsam Lösungen suchen, die dem größtmöglichen Wohl aller dienen?
Die Beantwortung dieser und weiterer großen Fragen braucht Zeit und Geduld. Kritiker von Bürger:innenbeteiligung neigen schnell mal dazu, Formate wie die EU-Bürgerforen als wirkungslose „Quatschbuden“ abzutun. Was sie dabei übersehen: Es braucht tatsächlich viele Worte, ständige Neu-Anläufe, oftmalige Wiederholungen, bis neue Handlungsweisen oder eine neue gesellschaftliche Praxis am Horizont erscheint.
Beteiligen Sie sich!
In dem Sinn: Beteiligen Sie sich an den vielen Dialogen, die aktuell über die Stärkung der Demokratie geführt werden!
Sie möchten mehr über Bürger:innenbeteiligung erfahren? Auf partizipation.at, der Informations- und Praxisplattform für Bürger:innenbeteiligung im deutschsprachigen Raum, finden Sie zahlreiche Beispiele und Hintergründe.
Sie haben Fragen zum Thema? Schreiben Sie an barbara.ruhsmann@oegut.at
Dieser Beitrag ist in leicht abgeänderter Form in der Ausgabe 4/2026 der Österreichischen Gemeindezeitung erschienen.