Antonija Wieser, Erika Ganglberger

© ÖGUT (Bilder entstanden beim Netzwerk Algen Treffen 2018 in Tulln)

Algen kennt jeder, doch keiner will sie, denn sie „verschmutzen“ Gewässer und Meere. ABER die Alge ist besser als ihr Ruf, sie kann mehr!

Mittlerweile werden Algen für unterschiedlichste Zwecke und in verschiedenen Branchen genutzt: als Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Energieträger, in der Kosmetik und im medizinischen Bereich kommen Algen zum Einsatz. Auch zur Abluft- oder Abwasserreinigung können Algen verwendet werden.

Wieso der Einsatz von Algen so forciert wird, liegt auf der Hand: in wasserbasierten Systemen kultivierte Algen liefern hohe Biomasseerträge und könnten in Zukunft das begrenzte Angebot an nachwachsenden Rohstoffen ausweiten und die Nutzungskonkurrenz von Flächen entschärfen.

Beforscht wird die gesamte Wertschöpfungskette von Mikro- und Makro-Algen: von der Auswahl geeigneter Stämme, der Produktion und Kultivierung über die Ernte, das Downstreaming (auch Konversion genannt) und die Wertstoffoptimierung bis zur industriellen Nutzung und Marktreife von Algenprodukten.

Die Algencommunity in Österreich

Auch in Österreich spiegelt sich die zunehmende Bedeutung des Themas Algen in der stetig wachsenden und vielfältigen Algen-Community wider. ForscherInnen, UnternehmerInnen, aber auch SchülerInnen und StudentInnen beschäftigen sich mit unterschiedlichen Aspekten von Algen-Kultivierung bis zur medizinischen Nutzung.

Das Netzwerk Algen, welches die ÖGUT gemeinsam mit BIOENERGY 2020+ für das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie betreut, vereint diese Akteure.

Beim jährlichen Netzwerk-Treffen, das zuletzt am 27. April 2018 in Tulln stattfand, trafen sich rund 70 ExpertInnen und Interessierte aus Wissenschaft, Industrie und anderen Bereichen. Das Schwerpunktthema war Kultivierungsbedingungen und Kontamination, weiters wurden Erfahrungen aus dem Projekt CO2USE präsentiert. Im Anschluss gab es bei einer Führung durch das IFA Tulln die Möglichkeit, Algenforschung live mit eigenen Augen zu erleben.

Auf einen Blick zeigt sich das Netzwerk Algen mit all seinen Akteuren auf dem Poster:

Details können in der Broschüre „Netzwerk Algen – Akteure in Österreich“ nachgelesen werden.

Algen in der D-A-CH-Region

Ein weiteres Netzwerk, welches die Dynamik und die Aktualität des Themas zeigt, ist das junge D-A-CH Algen-Netzwerk. Dieses bietet Akteuren im deutschsprachigen Raum auf dem Gebiet der Algenforschung Möglichkeit, den fachlichen Austausch und Kooperationen zwischen den Ländern zu fördern. Soeben ist der erste gemeinsame D-A-CH-Algen Newsletter erschienen.

Die nächste Gelegenheit, sich an das Algen-Netzwerk anzudocken, bietet der jährliche Bundesalgenstammtisch in Karlsruhe im September oder das nächste Netzwerk Algen Treffen, das im Frühjahr 2019 in Österreich  stattfinden wird.

Wo liegt die Zukunft der Algen? Algen sind schnell wachsende Biomasse mit einem breitem Anwendungsspektrum. Sie lassen sich sowohl energetisch als auch stofflich verwerten und sind zudem für Abluft- und Abwasserreinigung nutzbar. Das Potenzial von Algen ist also enorm. Dennoch ist der Marktdurchbruch bisher nicht geschafft, noch braucht es mehr Wissen zu den einzelnen Algenstämmen, zur optimalen Produktion der Inhaltsstoffe und auch zu deren Aufbereitung.

In Österreich gibt es seit dem Frühjahr 2018 in Bruck an der Leitha/NÖ eine erste Produktionsanlage, die Mikroalgen im großen Stil produziert. Damit ist eine wichtige Voraussetzung, nämlich die gesicherte Rohstoffbereitstellung, geschaffen worden, um Produktentwicklungen mit dem Rohstoff Algen in Gang zu setzen und Algenprodukte zur Marktreife zu bringen. Darüber wie eine attraktive Algen-Produktpalette aussehen könnte, lässt sich nur spekulieren. Hochpreisige Nischenprodukte mit Algeninhaltsstoffen sind jedenfalls am Weg, Algentreibstoffe als Kerosinersatz oder auch zur Biodieselherstellung haben mittelfristig – abhängig von den Rahmenbedingungen und Preisentwicklungen – gewiss Potenzial.

Was über all dem nicht vergessen werden darf, ist die Vielzahl an unterschiedlichen AkteurInnen, die es braucht, um mit einem neuartigen Rohstoff marktfähige Produkte zu entwickeln. Auch wenn aus Holz Papier hergestellt wird, braucht es vom Forst über das Sägewerk bis zur Papierfabrik das Zusammenspiel unterschiedlichster Betriebe, bis ein Bogen Papier am Markt ist.

Ob Algen ein kurzfristiger Hype sind oder auf lange Sicht die unterschiedlichen Erwartungen – ökologisch wie ökonomisch – einlösen können? Wir sind gespannt und halten Sie auf dem Laufenden!

 

Links zur Nachlese:

Kurzvideo BMVIT: Algen als wahre Multitalente

Netzwerk Algen Österreich – Rückblick zur Netzwerkveranstaltung 2018

Broschüre

Akteure in Österreich

D-A-CH Algen Netzwerk

Erster D-A-CH Algen Netzwerk Newsletter

Migros-Artikel über Algen